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Karies

 

 

   

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Definition

Bei der Zahnkaries handelt es sich um eine Zahnerkrankung, die durch eine mikrobielle Zerstörung der Zahnsubstanz durch äußere Einflüsse gekennzeichnet ist. Diese wird im weiteren Verlauf der Erkrankung so weit geschädigt, dass dies zum Verlust der befallenen Zähne führen kann.

 

Ursachen

Die Entstehung der Karies ist ein Geschehen, das von vielen Faktoren abhängt.

 

 

Hauptfaktoren sind:

  • Genetik – v.a. Karies der Mutter

  • Mangelernährung der Mutter während der Schwangerschaft

  • Unzureichende Zahnhygiene

  • Vermehrte Plaquebildung auf der Zahnoberfläche

  • Kohlenhydrathaltige Lebensmittel

  • Häufige Zwischenmahlzeiten mit kohlenhydrathaltigen Lebensmitteln

  • Zuckerhaltige Getränke

  • Häufiger Verzehr von säurehaltigen Lebensmitteln ( Obstsäfte, Südfrüchte)

  • Calcium- und Fluoridmangel

Bedeutung der Ernährung

Die Ernährung spielt sowohl bei der Kariesentstehung als auch bei der Prophylaxe eine entscheidende Rolle. Zum einen beeinflusst die Lebensmittelauswahl den Zahnaufbau bzw. die Härtung der Zahnsubstanz und zum anderen hängen Lebensmittel, Plaquebildung und Speichelzusammensetzung eng zusammen. Der wichtigste Faktor bei der Kariesentstehung ist der Kontakt der Nahrung mit den Zähnen.

 

Ernährungsfaktoren

  • Häufigkeit der Mahlzeiten

  • Häufigkeit des Verzehrs (Dauerkonsum von gesüßten Kindetees
    oder Fruchtsaft aus der saugflasche)

  • Die Einwirkungsdauer von Speisen u. Getränken auf die Zähne

  • Die Reihenfolge der verzehrten Lebensmittel

  • Darreichungsform (z.B. Obstsaft – Obst frisch)

  • Zusammensetzung und Konsistenz der Speisen

 

Kariogenität der Nahrung

Die Kariogenität ist das Vermögen eines Stoffes, Karies zu verursachen und ist abhängig von:

  • der Art u. der Menge der vergärbaren Kohlenhydrate

  • Konsistenz und Zusammensetzung eines Lebensmittels

  • Verweildauer des Lebensmittels im Mundraum

Die Rolle des Zuckers

Der Zucker gehört zu der Gruppe der Kohlenhydrate und es werden einfache und komplexe Kohlenhydrate unterschieden. Die Einfachzucker sind Traubenzucker (Glucose) und Fruchtzucker (Fructose) und zur Gruppe der Zweifachzucker gehören der Haushaltszucker ( Saccharose) und der Milchzucker (Lactose). Die Bakterien im Mundraum vergären diese Zucker, wobei organische Säuren entstehen, die die Zähne schädigen. Haushaltszucker bestzt die höchste Kariogenität. In zahlreichen industriell verarbeiteten Produkten ist Zucker enthalten.

 

Beispiele:

  • Senf, Ketchup, Saucen

  • Konfitüren, Nuß-Nougat-Creme

  • Süßigkeiten

  • Milchmixgetränke

  • Müsliriegel

Auch vermeintlich „gesunde“ Lebensmittel wie Bananen, Trockenfrüchte oder Müsliriegel enthalten viel Zucker oder andere zuckerähnliche Bestandteile wie Honig oder Glucosesirup und fördern die Kariesentstehung. Ihre Kariogenität wird durch die klebrige Konsistenz sogar noch verstärkt.

 

Alternative Süßungsmittel

Die meisten Menschen essen gerne Süßes. Die Geschmacksvorliebe „süß“ ist möglicherweise angeboren. Die besonders ausgeprägte Süßlust wird allerdings anerzogen und zwar schon im Säuglings- bzw. Kleinkindalter. Meistens ist diese Vorliebe für Süßes auch Gewohnheit und beeinflusst entscheidend die Nahrungsmittelauswahl und die Ernährung.

 

Als Zuckeraustauschstoffe werden Stoffe bezeichnet, die chemisch mehr oder weniger abgewandelte Einfach- oder Mehrfachzucker darstellen und Kalorien liefern (z.b. Sorbit, Xylit). Zuckerersatzstoffe sind dagegen meist kalorienfrei und unterscheiden sich chemisch von der Kohlenhydraten. (Saccharin, Cyclamat). Diese nicht kariogenen Substanzen werden inzwischen für zahlreiche Produkte verwendet. Sie sind mit dem Zahnmännchen gekennzeichnet, welches für zahnfreundliche Süßigkeiten steht.

 

 

Süßungsmittel und relativer Süßungsgrad

 

Süßungsmittel

Relativer Süßungsgrad

 

Zuckerstoffe

 

kalorienhaltig / kariogen

 

Haushaltszucker (Saccharose)

1.0

Traubenzucker (Glucose)

0.7

Fruchtzucker (Fructose)

1.2

Malzzucker (Maltose)

0.4

Milchzucker (Lactose)

0.3

 

 

Zuckeraustauschstoffe

 

(kalorienhaltig, wenig oder nicht kariogen)

 

Sorbit

0.5

Mannit

0.7

Xylit

1.0

Isomalt

0.5

Maltit

0.7

Lactit

0.4

 

Zuckerersatzstoffe

 

(kaum oder nicht kalorienhaltig, nicht kariogen)

 

Saccharin

300

Cyclamat

30

Aspartame

200

Acesulfam-K

200

Neohesperidin-Dihydrochalcon

300

Thaumatin

2500

 

Zu beachten ist, das manche Zuckeraustauschstoffe unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen können. Durch unvollständigen Abbau im Dünndarm kann es zu Blähungen und Durchfällen kommen.

Aktualisierte Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden:

Ein verbessertes Wissen über die Fluoridwirkung sowie das gestiegene Angebot  verschiedener Fluoridierungsmöglichkeiten veranlasst die Deutsche Gesellschaft  für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, aktualisierte Empfehlungen zur Kariesprophylaxe mit Fluoriden herauszugeben.

  1. Fluoride werden weltweit mit sehr gutem Erfolg zur Kariesprophylaxe eingesetzt. Wo keine Trinkwasserfluoridierung zur Verfügung steht (Deutschland), wird empfohlen, Fluorid über Supplemente (fluoridiertes Speisesalz, Fluoridtabletten) zuzuführen.   Systemisch Soll nur eine dieser beiden Formen der Vorbeugung eingesetzt werden. Die Dosis der Fluoridtabletten richtet sich nach dem Alter.

  2. Da Kleinkinder unter zwei Jahren nur geringe Mengen Speisesalz aufnehmen, sollte bis zum vollendeten zweiten Lebensjahr in der Regel eine Kombination von Fluorid und Vitamin D in Tablettenform verordnet werden. Wenn Säuglinge mit bilanzierten Diäten ernährt werden oder wenn ihre Flaschennahrung mit Trink- oder Mineralwasser hergestellt wird, welches über 0,3mg Fluorid pro Liter enthält, brauchen sie keine zusätzliche Fluoridprophylaxe.

  3. Auch bei älteren Kindern sollte eine Fluoridanamnese erhoben werden. Zu fragen ist nach der Verwendung von fluoridiertem Speisesalz, Fluoridtabletten, Konsum von fluoridreichem Mineralwasser und nach dem Fluoridgehalt des Trinkwassers. (zuständiges Wasserwerk oder Gesundheitsamt*)

  4. Die Verwendung von Fluoridtabletten zur Kariesprophylaxe ist in Deutschland gut etabliert. Die Tabletten werden meist von Kinderärzten verordnet.

 

Folgende Dosierung wird empfohlen:

Altersgruppe Fluoridgehalt des Trinkwassers
  bis 0,3 mg/l 0,3-0,7mg/l über 0,7mg/l
0-3 Monate 0,25 mg - -
4-11 Monate 0,25 mg   -
1 Jahr 0,25 mg   -
2 Jahre 0,50 mg 0,25 mg -
3-5 Jahre 0,75 mg 0,50 mg -
6 Jahre u. älter 1,00 mg 0,50 mg -

 

5.  Sofern eine Fluoridzufuhr in Tablettenform erfolgt, sollte bei Kindern unter 3 Jahren keine Fluoridhaltige Zahnpasta verwendet werden. Kinder ab dem 4. Lebensjahr und Erwachsene sollten täglich die Zähne mit fluoridhaltiger Zahnpasta putzen. Für Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sind fluoridreduzierte Kinderzahnpasten geeignet. 

* Analyse der NVV  (Niederrheinische Versorgungs- u. Verkehrs AG) 1/2007. Mittelwert je nach Wasserwerk (Hoppbruch, Reststrauch, Gatzweiler, Rheindalen, Rasseln oder Helenabrunn) <0,1 – 0,27mg pro Liter

 

Fluoridiertes Speisesalz:

Fluoridiertes Speisesalz schützt weltweit erfolgreich vor Karies.

Vorsorge direkt beim Essen wird mit Erfolg schon in vielen Ländern praktiziert.

Der remineralisierenden Wirkung des Fluorids ist es zu verdanken, dass die Säureattacken von Plaque-Bakterien keine kariösen Läsionen verursachen oder zumindest deren Verschlimmerung verhindern. Daher entwickelten schon vor Jahrzehnten Experten Konzepte, um die Schutzwirkung des Fluorids breiten Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen. Grundsätzlich werden neben fluoridierten Zahnpasten seit langem drei Ansätze verfolgt, wie Fluorid großen Bevölkerungsteilen verabreicht werden kann:

  • In Form von Tabletten

  • Fluoridiertes Trinkwasser

  • Fluoridiertes Speisesalz

Da die Wirkung des Fluorids vor allem direkt lokal auf der Zahnoberfläche zum Tragen kommt, scheinen die beiden letzten Möglichkeiten, vor allem aber die Speisesalzfluoridierung, am effektivsten zu sein. Beim Verzehr der speisen ist damit ein unmittelbarer Schutz gegeben, der sich anschließend durch die Aufnahme des Fluorids in die Blutbahn und den Transport in die Speicheldrüsen weiter fortsetzt.

Der Vorteil der Salzfluoridierung ist unter anderem die gute Dosierbarkeit, denn jeder Mensch konsumiert im Durchschnitt 6-8g Salz am Tag. Eine Fluoridüberdosierung ist bei einer Fluoridanreicherung von 250mg / kg Speisesalz ausgeschlossen. Und auch eine Fluorose entsteht nicht, wenn Speisesalz die einzige Fluoridquelle via Blutbahn darstellt.

 

Autorin:

Claudia Büssenschütt, Ernährungsmedizinische Beraterin / DGE

 

Claudia Büssenschütt

 

Weiterführende Links:

1. www.kariesvorbeugung.de 
2. Forschungsinstitut für Kinderernährung , Dortmund www.fke-do.de
3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung www.dge.de
3. Bundesinstitut für Risikobewertung www.bfr.bund.de
 

 

 

 

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